Quicklinks
- Zuchtgeschichte
- Exterieur
- Interieur
- Stutenstammbuch
- K.F.P.S. Papiere
- Inzuchtberechnung
- Prämiensystem
- Lineares Scoren
- Fazit

Abb. Stammbuchhengst Anton 343

Abb. Typisch - die Mähne ein Hingucker

Abb. Fohlen auf der Zuchtschau
Immer wieder ein besonderes Erlebnis
für unsere ganze Familie
Nehmen
Sie sich etwas Zeit um diese Seite zu lesen, wenn
Sie bereits mit dem "Virus Friese" infiziert, aber
dennoch im Bezug auf die Rasse ein Neu-, oder
Quereinsteiger sind.
Hier versuchen wir mal ein wenig Einblick in
die Zucht zu geben, um Qualitätsunterschiede bei
Friesenpferden etwas deutlicher zu machen. Es hilft
ungemein sich vor dem Kauf eines Friesen mit diesem
Thema etwas eingehender auseinander zu setzen.
Zuchtgeschichte
Das Friesenpferd ist eine niederländische
Pferderasse mit, wie der Name schon verrät, Ursprung
in der friesischen Provinz. Das Friesenpferd ist
durch Einkreuzung spanischer Pferde aus dem damals
eher kaltblütigen Pferdetyp im 16. und 17.
Jahrhundert entstanden. Es war die Zeit als die
Niederlande von Spanien besetzt waren.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in den
herrschaftlichen Häusern immer weniger geritten,
dafür um so mehr in eleganten, leichten Kutschen
gefahren. Dafür suchte man geeignete Pferde. Selbst
beim Militär verlangte man nicht mehr nach
Friesenpferden. 1854 kam man zu dem Schluss, das man
die friesische Rasse nicht mehr retten kann und eine
Regelung zum Schutz des Friesenpferdes wurde wieder
fallen gelassen. Obwohl dies eigentlich das Ende der
Rasse bedeutete, kam die Idee zu einem Stammbuch
auf, wie es bereits England und Frankreich
handhabte. So kam es dann dazu, dass 1879 der
niederl. Minister f. Landwirtschaft die Statuten des
Friesch Paardenstammboek genehmigte. 1880 hatte der
Verein 107 Mitglieder - 16 Hengste und 28 Stuten. Zu
diesem Zeitpunkt waren nur 3 Hengste gekreuzter
Rasse eingetragen. Trotz alledem wurde die Zucht der
reinen friesischen Pferde vernachlässigt, denn sie
waren zu dem Zeitpunkt ganz einfach aus der Mode
geraten. Das Bovenlander Pferd (Friese x
Oldenburger) begeisterte die Pferdehalter umso mehr.
1913 lebten nur noch die Hengste, Prins 109, Alva
113 und Friso 117. Einige wenige Züchter Frieslands
gaben nicht auf, weiterhin für die Rasse zu kämpfen.
Man hatte erkannt, dass nicht nur ein Arbeitstier
vom Aussterben bedroht war, sondern auch ein Stück
friesischer Geschichte. In diesem Jahr wurde der
Verein Het Friesche Paard gegründet. Es wurde einige
gute Hengstfohlen aufgekauft und in fachkundige
Hände zur Aufzucht gegeben. 1916 wurden 2 der
aufgekauften Hengstfohlen für den Deckdienst
eingetragen (Paulus 121 und Rudolf 122). 1962 waren
es dann schon 23 Deckhengste. In der Zeit zwischen
1962 und 1967 sank der Bestand der Friesenpferde
abermals von rund 4000 Pferden auf 974. Dies war
zweifelsfrei der Mechanisierung der Landwirtschaft
zu "verdanken". Der Traktor hielt auch auf den Höfen
Frieslands Einzug.
Erst in der Mitte der 70er Jahre entdeckten Reiter
und Fahrer das Friesenpferd als idealen
Freizeitbegleiter. Es ist ein stattliches Pferd mit
imponierenden Gängen geworden. Seine
Dressurveranlagung steuerte zu seiner heutigen
Popularität bei.Nach der Einkreuzung spanischer
Pferde wurde niemals wieder rassefremdes Blut
zugeführt. Der Bestand wurde gesichert und
vergrößert, allein durch Inzucht innerhalb der
kleinen Population. Das ist auch der Grund warum
jedem eingetragenen Pferd einen sog. "Inzuchtfaktor"
ins Papier nortiert wird. Dieser gibt an, mit
welchem Prozentsatz an Inzucht das Genom des
jeweiligen Tieres belastet ist.
Die Auswahl gilt als eine der strengsten weltweit.
Jedes Jahr werden in Ermelo neue Hengstanwärter
vorgestellt. Meist sind es Hengste, die gerade 2 1/2
Jahre alt sind. Nur wenige ältere Tiere versuchen
ihr Glück. Nur die besten der hier vorgestellten
Hengste dürfen sich dann im Januar auf der Zentralen
Körung in Leuwaarden einer weiteren Bewertung
stellen. Nach einer weiteren 2-fachen Selektion,
werden wiederum die Besten zur
Hengstleistungsprüfung angewiesen. Die
Hengstleistungsprüfung ist dann noch im gleichen
Jahr. Gut 3-jährig bestehen auch hier wieder nur
wenige die zunächst letzte Prüfung, in der u.a. auch
das Stallbetragen und der Arbeitswille bewertet
wird.
Ein zugelassener Deckhengst muss sich jedes Jahr
erneut der Körkommission stellen und seine
Deckerlaubnis für das Folgejahr auf der Körung in
Leuwaarden abholen. Nach vier bis fünf Jahren
Deckeinsatz wird der erste Fohlenjahrgang des
Hengstes bewertet. Mit Hinblick auf die Nachzucht
des Hengstes verbleibt dieser nur dann in der Zucht,
wenn sein Beitrag als positiv einzustufen ist. Ist
dieser Beitrag eher negativ, wird er abgekört und
darf im Stammbuch nicht mehr als Deckhengst
"arbeiten". (Abb. Stammbuchhengst Anton 343)
Exterieur
Friesen sind großrahmige Pferde mit einem gewölbten,
oft hoch angesetzten Hals, einer gut gewinkelten und
bemuskelten Hinterhand und einer ausgeprägten
Rippenwölbung. Sie werden heute ausschließlich auf
die schwarze Farbe selektiert und sind daher meist
reinerbig für diese Farbe. Die letzte braune Stute
Patricia wurde 1928 in das Stammbuch eingetragen.
Heute kommt die braune Farbe nicht mehr vor. Sehr
selten können noch Füchse vorkommen, die jedoch
nicht sonderlich erwünscht sind. Auch darf der
Friese keine weißen Abzeichen am Kopf oder an den
Beinen haben, sondern sollte nach Möglichkeit
reinschwarz sein. Ein "Stern" auf der Stirn ist zwar
gestattet, aber dennoch nicht gern gesehen. Es sind,
unschwer zu erkennen, sehr stattliche und elegante
Pferde.
Ein weiteres deutliches Merkmal ist der so genannte
"Kötenbehang" an den Fesseln. Dieses
Erscheinungsbild hat sich seit dem 17. Jahrhundert
kaum verändert. In den letzten Jahren wurde in
erster Linie darauf geachtet, die Pferde etwas
größer zu züchten, da mehr und mehr der eher
sportliche Typ nachgefragt wird. Die meisten Stuten
haben ein Stockmaß sich zwischen 155 und 165cm. Um
zur Körung zugelassen zu werden, muss ein Hengst
eine Mindestgröße von 158cm mit 3 Jahren bzw. 160cm
mit 4 Jahren aufweisen.Bis 1996 wurde der Friese
durch eine Zungentätowierung an Stelle eines
Brandzeichens gekennzeichnet. Seit 1996 werden
Mikrochips verwendet.
Interieur
Wie bereits erwähnt, gewann das Friesenpferd durch
das Einkreuzen iberischer Pferde seiner Zeit,
deutlich an Dressureignung. Die hohe Knieaktion, die
schwungvollen Grundgangarten und insbesondere sein
Talent zur hohen Dressur machen den ihn zu einem
beliebten Showpferd. Darüber hinaus ist er durch
seine Kraft, Zuverlässigkeit, Geduld und Sanftmut
weiterhin häufig vor Kutschen zu finden. Eine dieser
typischen Kutschen ist die einachsige Sjees. Diese
Kutschenart hat ebenfalls ein eigenes Stammbuch in
Holland und es gibt weltweit nur noch wenige
erhaltene Originale.
Das Fohlenbuch
Das Fohlenbuch bildet die Basis des holländischen
Stammbuchs. Hier werden alle Fohlen eingetragen,
sofern sie K.F.P.S. registrierte Elternteile haben.
Nach drei Jahren kann das Fohlen dann für die
nächsten "Folgebücher" vorgestellt werden.
Das
Stutenstammbuch
Hier werden ca. 90% aller Stuten aufgenommen. Das
Mindeststockmaß für die Eintragung einer 2 1/2
jährigen Stute ins Stammbuch ist 1,50 m. Das
Stutenstammbuch ist in verschiedene Teile
unterteilt.
Stammbuch-Stuten
Ster-Stuten
Kronstuten
Model-Stuten
Stuten mit sehr gutem Exterieur, taktreinen Gängen
und einer Mindestgröße von 1,55 m können ins
Ster-Register aufgenommen werden. Pro Jahr werden
max. 30% des Jahrganges "Ster" erklärt.
Die Stuten, die dem Zuchtziel des K.F.P.S. in
höchstem Maße entsprechen und natürlich auch alle
Anforderungen für Ster erfüllt haben, können
zusätzlich für Model erklärt werden. Stockmaß ist
hier min. 1,58 m im Alter von 7 Jahren.
Es gibt auch hier bei den Stuten, wie auch bei den
Hengsten, noch die Preferentschaft. Hierzu muss die
Stammbuch-, Ster-, oder Modellstute mindestens vier
Ster-Nachkommen hervorgebracht haben.
Als letzten Titel gibt es noch die Prestatiemoeder.
Für diesen Titel müssen zusätzlich mindestens drei
Nachkommen überdurchschnittliche Leistungen im Sport
erbracht haben.
Das niederländische
K.F.P.S. Papier

Im K.F.P.S.-Papier (Abb. oben) werden in der ersten
oberen Zeile die Angaben zur Stute gemacht. Wann
geboren - Chipnummer - Lebensnummer - Name -
Prädikat VB/Stb/Ster/Modell - Inzuchtfaktor.
Im rot eingezeichneten Rahmen liest man die
Hengstlinie - der Vater der Stute und seine
Abstammung. Die im oben gezeigten Papier für die
Zucht wichtigere Linie, ist die im blauen Kasten
dargestellte. In der Abbildung findet man ein volles
Papier vor. D.h. hier ist die gesamte Mutterlinie
mindestens Ster bzw. Ster-pref.
Ein Papier bezeichnet man nur dann als voll, wenn
mindestens 3 direkt auf die Mutterstute folgende
Einträge das Sterprädikat tragen. Ein Fohlen aus
einer solchen Mutter hätte folglich wieder ein
durchgängig volles Papier bis in die 4 Generation.
Wäre beispielsweise die "Oma" der Stute lediglich
eine Stammbuchstute, würde man von einem "Hacker im
Papier" sprechen - es wäre dann kein "volles
Papier". Was im oben genannten Dokument nicht mehr
zu sehen ist, aber in der Datenbank des K.F.P.S.,
ist die Tatsache das die Beispielstute eine
125-jährige durchgehende Ster-Mutterlinie besitzt.
- Eine besonders wertvolle Sterstute, die natürlich
noch Preferent werden kann, wenn 4 ihrer Nachkommen
ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt auf einer
Zuchtschau des K.F.P.S./ DFZ zu Stertöchtern bzw.
Stersöhnen erklärt werden. Aber auch einer
Fohlenbuchstute, die aus den verschiedensten Gründen
bei einer Körung nicht ins Stammbuch aufgenommen
wurde, wird wenn sie 4 Ster-Nachkommen
hervorgebracht hat, die bereits oben beschriebene
Preferentschaft zugesprochen. Vb/pref. und
Stb./pref. würden einen "Hacker" wieder ausgleichen.
Inzuchtberechnung
Die Zucht der friesischen Pferde fußt auf einer
ziemlich schmalen Grundlage von drei Linien, und
zwar der Tetman-Linie, Age-Linie und der
Ritske-Linie. Die Age-Linie ist die bislang
schmalste Hengstlinie, während der einflussreiche
Hengst Ritske keine dominanten Hengste erzeugt hat.
Beim Versuch, der Inzucht entgegenzuwirken sind
sicher schon einige Fortschritte erzielt worden,
aber dieses Thema bleibt eine ständige Sorge der
friesischen Zucht. Es besteht die Möglichkeit aus
der Datenbank des K.F.P.S. den Inzuchtprozentsatz
eines Fohlens, das eventuell mittels Paarung mit den
verfügbaren Hengsten aus einer Stute geboren wird,
schon im Vorwege zu berechnen. Dieser
Inzuchtprozentsatz ist Teil der Zucht und ein
Hilfsmittel bei der Wahl eines Hengstes. Daneben
muss bei der Wahl des Hengstes selbstverständlich
auf Exterieur, spätere Nutzung usw. geachtet werden.
(Vergleichen der linearen Scorebögen).
Prämiensystem
bei K.F.P.S. - und DFZ-Zuchtschauen
Erste Prämie - Ab 2007 werden etwa 15% der Pferde,
die auf einer Zuchtschau vorgestellt werden, diese
erste Prämie, also eine orange Schleife erhalten. Es
handelt sich dann bei diesem Pferd , welches den
Durchschnitt, der auf dem Scorebogen benannten
Punkten weit übertrifft. Die Gewichtung bei der
Bewertung liegt bei 40% für das Gebäude und 60% für
das Bewegungspotenzial des Friesenpferdes
Zweite Prämie - Etwa 30% aller vorgestellten Pferde
auf einer Zuchtschau des K.F.P.S. erhalten eine
zweite Prämie, also eine rote Schleife.
Dies trifft zu wenn, das vorgebrachte Pferd in ein
oder zwei Fällen den Durchschnitt der im Scorebogen
benannten Punkte übertrifft.
Dritte Prämie - Eine weiße Schleife wird verliehen.
Bei der Beurteilung durch die Körkommission sind auf
dem linearen Scorebogen nur wenig Abweichungen vom
"Idealbild" zu erkennen. Es handelt sich folglich um
ein Friesenpferd, welches sich in allen Bereichen
der jeweiligen Beurteilungen im Mittelmaß befindet
Keine Prämie
wird vergeben, wenn das vorgestellte Pferd
beispielsweise ersichtliche Gebäudemangel aufweist.
Lineares Scoren

Drei Jahre und ältere Friesenpferde, müssen nach der
ersten Beurteilung als Fohlen, ein zweites Mal der
Körkommission vorgestellt werden.
Beim niederländischen Zuchtverband dem K.F.P.S. wird
seit 1994 linear beurteilt. Es handelt sich hierbei
um ein Beurteilungssystem, dass nicht für die
Friesenpferde entwickelt wurde, sondern seinen
Ursprung in der Rinderzucht findet. Das Gebäude des
Pferdes wird hierbei in seinen Bestandteilen
beurteilt. Vergleicht man nun den Scorebogen des
eigenen Pferdes, mit dem Scorebogen des
Wunschhengstes für eine eigene Nachzucht, so kann
man in diesem Formular bestens erkennen in wie weit
man "Mängel" der Stute mit guten Eigenschaften des
Hengstes ausmerzen kann und umgekehrt. In einem
jährlichen Hengstreport werden alle einsatzfähigen
Deckhengste mit ihren jeweiligen Scorebögen
dargestellt. Auch in den Datenbanken des K.F.P.S.
und beim deutschen Zuchtverband DFZ erhält man als
Stutenbesitzer wertvolle und wichtige Tipps zur
Hengstauswahl.
Fazit:
Sicher lässt sich vieles typisch deutsch
katalogisieren, niederschreiben und datentechnisch
verarbeiten. Es ist jedoch in den meisten Fällen der
Charakter des Pferdes- der erste Eindruck- der erste
Blick ins Auge des Tieres, der den Kauf letztendlich
entscheidet.